Verabschiedung Pia Maria Eberle
Pia Maria Eberle unterrichtete seit 2004 an unserem Gymnasium unterschiedlichste Fächer wie Englisch, Deutsch, Italienisch, Theater und Sport. In diesem Sommer verlässt sie unsere Schule und widmet sich neuen, vielseitigen Aufgaben.
Zunächst möchten wir Dir herzlich für Deine langjährige Tätigkeit an unserem Gymnasium danken! Deine berufliche Laufbahn begann nicht an unserer Schule. Wie verlief Dein Weg?
Am Anfang unterrichtete ich an der Sekundarschule. Nach vier Jahren wollte ich meine zweite grosse Leidenschaft, die Sprachen, vertiefen. Ursprünglich plante ich, für ein Jahr zur Swissair zu gehen. Daraus wurde jedoch eine deutlich längere Zeit, weil sich dort aussergewöhnliche Möglichkeiten eröffneten. Ich absolvierte eine Weiterbildung für die First-Class-Galley, wodurch ich hauptsächlich auf Langstrecken eingesetzt wurde. Dank meiner pädagogischen Ausbildung durfte ich zudem japanische Flight Attendants unterrichten, was mir grosse Freude bereitet hat. Zu den besonderen Erlebnissen gehörten die Begleitung einer Weltumrundung anlässlich eines Kuoni-Jubiläums sowie die einmonatige Vertretung der Swissair in Singapur bei der Einführung der neuen MD-11-Flugzeuge. Da der Flugplan im Winter weniger dicht war, erhielt ich mehrmals die Möglichkeit, eine dreimonatige Auszeit zu nehmen. Diese Zeit nutzte ich, um Sprachen wie Portugiesisch, Spanisch, Hebräisch und Japanisch zu erlernen. Nach einem Monat intensiven Unterrichts bereiste ich jeweils während zweier weiterer Monate die entsprechenden Länder und konnte das Gelernte direkt im Alltag anwenden. So gewann ich nicht nur sprachliche Sicherheit, sondern auch wertvolle Einblicke in die Kulturen Südamerikas und Asiens.
Welches Land hat dich am meisten fasziniert?
Australien. Seit meiner ersten Backpacker-Reise begeistert mich die aussergewöhnliche Flora und Fauna dieses Landes. Schon vor meiner Zeit bei der Swissair konnte ich als Freiwillige in einer Koala-Auffangstation mitarbeiten. Der Schutz dieser ikonischen und bedrohten Tiere lag mir immer am Herzen, und auch künftig möchte ich dazu meinen Beitrag leisten.
Hat das Grounding der Swissair diese Karriere beendet?
Nein. Mir war bewusst, dass ich nicht mein ganzes Berufsleben als Flugbegleiterin verbringen würde. Deshalb begann ich parallel zur Arbeit ein zweites Studium. An festen Tagen unterrichtete ich zusätzlich an der ISME, an der staatlichen Maturitätsschule sowie an der Berufs schule in Lenzburg.
Wie kamst Du ans Gymnasium St. Antonius?
Der Rektor der ISME war mit unserem damaligen Rektor Ivo Bischofberger befreundet. Aufgrund der kurzfristigen Kündigung eines Englischlehrers befand sich die Schule damals in einer schwierigen Situation. Ich durfte mich an einem Montagmorgen vorstellen, erhielt die Stelle noch am selben Abend und flog Ende der Woche nach Australien. Allerdings konnte ich nicht direkt nach den Sommerferien beginnen, da ich in meiner bisherigen Anstellung noch eine Kündigungsfrist einhalten musste. Während dieser Zeit übernahm Bruder Karl meine Klassen. Er musizierte und sang mit ihnen, und die Schülerinnen und Schüler hatten eine wunderbare Zeit. Trotzdem waren sie danach froh, wieder Englischunterricht zu erhalten.
Stichwort Musik: Sie hat für Dich stets eine grosse Bedeutung gehabt. So hast Du damals im Schulmusical «Ladies and Gentlemen» mitgespielt.
Das war eines meiner grossen Highlights – zusammen mit Alois Stolz, der das Theater leitete, und Stefan Holenstein. Besonders schön war die Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern. Dabei zeigte sich schnell, dass die Jugendlichen ihre Texte deutlich schneller lernten als wir. Die Atmosphäre war ausgesprochen locker, und wir wurden immer wieder zum Ziel kreativer Streiche. In besonderer Erinnerung geblieben ist mir auch die aufblühende Liebe zwischen einem Schüler und einer Schülerin. Die beiden sind inzwischen verheiratet.
War auch Deine eigene Theaterleitung ein Höhepunkt Deiner Karriere?
Ja, auf jeden Fall. Nach der Pensionierung von Alois Stolz durfte ich das Theater drei Jahre lang leiten. Um Erfahrungen zu sammeln, trat ich dem Theaterverein Die «Kleine Komödie» bei. Die gemeinsame Erarbeitung von Theaterstücken und die Auftritte in der Kellerbühne vermittelten mir wertvolle Erfahrungen, die ich später an unsere Schülerinnen und Schüler weitergeben konnte. Ausserdem engagierte ich mich im Mittel schultheaterverein und besuchte Aufführungen an anderen Kantonsschulen. Besonders eindrücklich war die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern bei unserem Musical «A Midsummer Night’s Dream». Dies erforderte nicht nur schauspielerisches Talent, sondern auch gesangliche Fähigkeiten. Glücklicherweise gehörte damals Raphael Holenstein, heute einer unserer Musiklehrer, zu den Mitwirkenden. Bereits damals war sein ausser ordentliches Talent offensichtlich. Er übernahm die Schulung der Sängerinnen und Sänger und begleitete sie live am Klavier. Zu jener Zeit stand noch kein Werklehrer für den Kulissenbau zur Verfügung, und auch die technische Umsetzung wurde vollständig von den Schülerinnen und Schülern übernommen.
Du hast sicher mit viel Freude und Leidenschaft unterrichtet.
Absolut. Lehrerin zu sein war von Anfang an mein Traumberuf. Die Freude am Vermitteln begann bereits in meiner Zeit bei der Pfadi. Besonders wichtig waren mir die Zusammenhänge zwischen den Sprachen, etwa zwischen Englisch und Latein oder Italienisch und Latein, sowie die Verbindungen zwischen Sprache und Kultur. Ich habe stets versucht, meine persönlichen Erfahrungen in den Unterricht einzubringen. Leider gab es auch traurige Momente an unserer Schule. Der traurigste Moment war sicher der Tod eines Schülers und unseres Lehrerkollegen im Jahr 2015. Er war nicht nur Fachschaftskollege, sondern auch ein guter Freund und Nachbar.
So wie wir Dich kennen, wird Dir auch in Zukunft bestimmt nicht langweilig. Wie geht es weiter?
Ich habe viele Pläne. In gewisser Weise schliesst sich nun ein Kreis. Meinen Maturandinnen und Maturanden habe ich immer wieder Freiwilligenprojekte vorgestellt, bei denen man der Gesellschaft etwas zurückgeben kann, beispielsweise während eines Zwischenjahres zwischen Matura und Studium. Einige solcher Projekte werde ich nun selbst verwirklichen. Ab Januar werde ich an einer Schule in Indien unentgeltlich unterrichten. Die Schule befindet sich im Pilgerort Gokarna, rund 150 Kilometer südlich von Goa an der Westküste. Darauf freue ich mich sehr. Danach möchte ich mich verschiedenen Tierschutzprojekten widmen. Besonders beeindruckt haben mich Projekte von Angelina Jolie in Namibia, etwa eine Auffangstation für verwaiste Jungtiere. Zudem plane ich, an einem Projekt zum Schutz der Berggorillas in Uganda mitzuarbeiten und als Taucherin Riffe zu reinigen. Anschliessend zieht es mich erneut nach Australien, wo ich mich weiterhin für Koalas engagieren möchte. Tasmanien habe ich bisher noch nie besucht. Dort würde ich gerne wandern und Regionen erkunden, in denen Wombats und die berühmten Tasmanischen Teufel noch frei leben. Sicher werde ich auch wieder Patenschaften für Koalas übernehmen, die aufgrund von Krankheiten oder Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können. Im September möchte ich mich zudem für das Projekt «Syros Cats» auf der griechischen Kykladeninsel Syros bewerben. In diesem Freiwilligenprogramm kümmern sich Helferinnen und Helfer während 25 Stunden pro Woche um die zahlreichen dort lebenden Katzen. Die Nachfrage nach den Einsatzplätzen ist allerdings sehr gross.
Liebe Pia Maria, wir danken Dir herzlich für dieses Gespräch und wünschen Dir für Deinen neuen Lebensabschnitt alles Gute, viel Freude und zahlreiche bereichernde Erfahrungen.